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Dienstag, 20. Juli 1999

Nachrichten. Wehrhafte Demokratie.... *räusper*

Caramba! Gelöbnis in Berlin am 55. Jahrestag des Hitlerattentats. Eigentlich eine friedliche Sache, kein großes Aufmarschieren von Mann und Maschine, keine Kolonnen von mobilen Abschußrampen, Panzern oder Haubitzen.
Gut, der unser Kanzler hat als erster Kanzler überhaupt bei einem Gelöbnis eine Rede gehalten, aber selbst das wäre nur eine Randnotiz.
Was jedoch die ganze Sache richtig amüsant, ja gar lächerlich gemacht hat das war der Auftritt von knapp zehn Demonstranten, die trotz handverlesen der Gäste sich einschmuggeln konnten. Kaum war es richtig feierlich (uns' Gerd hielt seine Rede...) schritten sie zur Tat: Wieselflink stürmten sie auf die armen Rekruten zu (immerhin an die 400), entblößten sich zum Teil (sogar zwei "Mädchen" sollen dabei gewesen sein) und spannten bemalte Regenschirme und Transparente auf. Tucholsky mußte sich mangels eigener Kreativität, wiedermal auf ein Zitat reduzieren lassen und ansonsten war auch wenig konstruktives zu sehen wie hören.
Wirklich interessant aber ist, daß, kaum wo die ersten Probleme und unerwarteten Situationen auftauchen, sich Politiker quer durch den konservativen Garten zu Wort melden und wieder eine Bannmeile fordern, wie wir sie ja noch aus den "guten alten" Bonner Zeiten kennen.
Angst vorm Volk, liebe Volksvertreter? Warum nur? Kontroverse Themen sollten nicht ausgesperrt, sondern diskutiert werden. Zugegeben darf dabei die Sicherheit der beteiligten Parlamentarier und ihrer Mitarbeiter nicht außer Acht gelassen werden, dennoch ist eine Bannmeile eine veraltete und unzureichende Lösung. Sie hat vielleicht in Bonn ihren Job erfüllt, doch Berlin ist ein ganz anderes Kaliber. Wer schon mal durch Bonn und Berlin gefahren ist weiß, wovon ich rede.
Zäune und Mauern in der Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands, na wenn das kein Zynismus ist, dann weiß ich es auch nicht...

Bis bald

euer harlequin

PS: Die Demonstranten, die das Gelöbnis gestört haben, gehörten zum Teil der Organisation "JungdemokratInnen/Junge Linke" an. Diese wird wie zum Beispiel auch die Junge Union, Junge Liberale als auch die Jusos, durch Steuergelder gefördert - wie paradox. :-)
geschrieben von harlequin ( The early years.... ) :: Kommentare(0) :: Permalink ::
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