Sonntag, 27. August 2000
Buch der Weisheiten bis auf weiteres geschlossen.

Ein Geheimnis des harlequins ist es zu lachen, egal wie es in seinem Inneren aussieht.
Ich lache.
Wo ich noch vor einiger Zeit meinen Egoismus ausgelebt habe und auf gute Freundschaften gepfiffen habe, stelle ich sie jetzt vor meinen Egoismus. Eigentlich müsste ich mich damit doch besser fühlen, irgendwie edel. Tatsache ist, daß sich dieses gute Gefühl ziemlich bescheiden anfühlt.
Aber was solls, für eine Krise gibt es keinen Grund, denn morgen sieht die Welt garantiert wieder viel schöner aus, die Menschen um mich herum sind glücklich und leben ihre traute Zweisamkeit und der Narr trägt zur Unterhaltung bei. Das ist sein Job, dafür lebt er doch schließlich. Der Geck, den kein Wässerchen trüben kann.
Kann nicht irgendjemand diesen mit Glückshormonen übersättigten Freunden sagen, daß es sich ziemlich doof anfühlt, mit zwei Paaren gemeinsame Wochenenden zu verbringen? Man stelle sich ein Auto vor, die allermeisten haben vier Räder, das fünfte gammelt in 90 Prozent der Fälle solange im Kofferraum rum, bis es gebraucht wird. Es wird sich drauf verlassen.
Auf gute Freunde ist immer Verlass. Selbst wenn sie völlig berauscht vom Chianti eigentlich nur noch schlafen wollen. Dann sind sie immer noch da und vermeiden die kleinen Katastrophen des Lebens.
Es muß doch ein tolles Gefühl sein, auf jede Frage eine Antwort zu haben. Zuhören zu können und immer der Ruhepol zu sein. Ja, es ist ein tolles Gefühl.
Ich liebe es.
Da dieses Gefühl nicht zum Dauerzustand werden soll wage ich ein Experiment: Ich schalte ab. Schliesse das Buch der Weisheit und beobachte, was passiert. Ich bin kein Heiliger und ich habs satt, die Leute auf das Offensichtliche aufmerksam zu machen. Schließlich habe ich die Wahl, was ich tue und entscheide selber, was gut für mich ist.
Die momentane Situation ist es offensichtlich nicht.
Gute Nacht. bis bald
euer harlequin
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