Montag, 04. Dezember 2000
Düsseldorf, München, DC on tour
Moin! Mal wieder kurz zuhause vorbei schauen. Es ist einfach viel los in letzter Zeit: Letzten Donnerstag bin ich vom Bund hier aufgeschlagen, konnte eben Wäsche waschen, in der Nacht trockenbügeln und am frühen Morgen dann in den Zug nach Düsseldorf springen, um von dort nach München zu fliegen.
Nico hat sich zwar nicht beschwert, aber es war im schon anzumerken, das er kaum Lust hat, das dritte Wochenende in Folge allein loszuziehen.
Ich kann doch auch nichts dafür, der Bund drückt mir eine Übung/politische Bildung/ähnliches aufs Auge und ich kann in der Regel nicht mehr als 'ja, aber gerne doch' sagen.
Es hat zwar auch Vorteile (Urlaubtage extra, mehr Geld), aber die Nachteile wirken sich unfairer Weise ausschließlich aufs Privatleben aus. Doch lange dauert die systematische Verblödung unter staatlicher Aufsicht zum Glück nicht mehr. Ende Januar streiche ich die Segel dort und werde es tunlichst vermeiden nochmal in so eine Uniform zu steigen.
Nun aber zu etwas völlig anderen:
Dieses Wochenende in München!!
Genial, ausserordentlich und dank ein paar planloser Momente (ja, ich habe damit was zu tun) hin und wieder hoffnungslos chaotisch.
Grund für unser (Ilona und Schimmi, Anna und Anne sowie Melody und natürlich Olive) Treffen, war Melles Aufführung von 'Kiss me Kate', aber dazu gleich mehr.
Beginnen wir einfach am Freitag: Da meine Devise bis jetzt immer lautete 'was du heute kannst besorgen, verschiebe ruhig auf morgen' habe ich mich natürlich um so gut wie nichts rechtzeitig gekümmert. Deswegen habe ich mich auch erst am Freitag morgen gegen 5.00 Uhr nach den korrekten Bahnverbindungen erkundigt, wann auch sonst. Die Bahn teilte mir dann fröhlich mit, dass ich um 6.39 Uhr gefälligst am Bahnhof sein sollte, wenn ich überhaupt noch eine Chance haben wollte meinen Flieger in Düsseldorf zu bekommen.
Cool. Ich hatte meine Sachen noch nicht ganz trocken gebügelt, geschweige denn irgendwas anderes gepackt. Okay, wurden halt sämtliche Kleidungsstücke auf Stufe drei gebügelt, egal ob dort 'Bitte nicht bügeln', 'mehr als Stufe eins ist Wahnsinn', 'Auch im Notfall nie über Stufe zwei bügeln' stand. Hat funktioniert, dann, um 6.10 Uhr, Taxi anrufen: 'Ja sicher ist das mein Ernst, ..., ja doch, ich muss um 6.30 Uhr beim Bahnhof sein, ...., Nein, ich habe nichts getrunken!' Gut, hat ja auch noch geklappt und obwohl mich der Taxifahrer davon überzeugen wollte, ich solle doch lieber von Münster aus fliegen, das wäre ja viel billiger, stieg ich zeitig in meinen Zug, der mich ebenso erstaunlich pünktlich am Düsseldorfer Flughafen absetzte.
Nach dem einchecken war noch etwas Zeit, eine Tasse Kaffee für 5,40 DM ist bestimmt günstig und das beobachten vom allgegenwärtigen Flughafenvölkchen ist eine ausgesprochen interessante Angelegenheit.
Wie da also Kaffee schlürfend saß, tauchte Olive auf und wir warteten halt zu zweit, beobachtend, auf unseren Flieger. Der hatte dann aber Verspätung, und die Bahnauskunft noch im Kopf, ärgerte ich mich darüber, dass ich nicht ein bis zwei Züge später gefahren bin - das hätte mir so manche Minute Schlaf gebracht. ;-)
Endlich im Flugzeug und abgehoben konnte ich eine Frau mit akuter Höhenangst beobachten. Mir gingen allerhand Fragen durch den Kopf, allerlei Scherze ('Ihre Sharewareversion von 'Fahrwerk ausfahren' ist leider abgelaufen') aber nun gut, ich wollte nicht die Toleranz der Stewardessen auf eine solche Probe stellen...
Ausserdem gab es da einen Moment, bei dem ich selbst schlucken musste: München, das Flugzeug befand sich schon in der Endphase des Landeanfluges und es war partout keine Landebahn zu sehen. Es war eigentlich nichts zu sehen, ausser fettem Bodennebel. Ja, ich weiß, moderne Technik lassen heutzutage auch Flugzeuge auf einer Telefonzelle landen, die sich in einer Bahnhofsvorhalle befinden und noch nicht mal Münzen annehmen - aber wer realisiert das denn in einem solchen Moment?
Touchdown (auf der Landebahn) rollen über eine Autobahnbrücke (etwas komisch war, die Autos waren unter der Brücke und wir darauf...)
Von Melody in Empfang genommen ging es zum Hotel wo alle, die von ausserhalb angereist sind genächtigt haben (ja, natürlich mit mir als Ausnahme, zu spät gebucht...). Dort bezogen Melody und Olive erstmal ihr Zimmer und ich wartete solange in der Empfangshalle, wo, wie wir später herausfanden auch Ilona und Schimmi auf uns warteten, mich zwar gesehen hatten, allerdings nicht erkannten - da ich ihn der Realität völlig anders aussehe, als dieses mittelose Calvin Klein Modell, welches ich mit Essen zu den Aufnahmen für meine Site locken konnte >;-).
Schimmi kutschierte mich dann in meine Absteige gab mir fünf Minuten zum einchecken und umziehen (was nicht wirklich ein Problem war, als Soldat und notorischer Zuspätkommer optimiert man solche Prozesse - aber nicht weitersagen... ;-) ) und kurz drauf brausten wir (nachdem Schimmi und ich im Gemeinschaftshotel im Eilverfahren Anne kennengelernt hatten) alle nach Bad Aibling. Das dort Weihnachtsmarkt war und die örtlichen Aufbauarbeiten im vollem Gange konnte uns nicht von unserer Mission abbringen, zum Glück war die Presse nicht zugegen...
Noch rechtzeitig zum Stück angekommen wurden dann bei mir einige Vorstellungen zu einer Schulvorstellung revidiert (Laiendarsteller, übliche Gesangsqualität, Bühnenaufbauten, die man besser nicht berührt, etc.). Wow, ein Hammerstück! Melle sang als allererstes und meisterte dies gekonnt, so als wäre es ihr 100er Auftritt und reine Routine. Nicht etwa Gleichgülig, nein phantastisch. Ausserdem lernte ich das erste Mal Anna im 'real life' kennen und das trug ebenfalls zur Abrundung eines herrlichen (wenn auch hektischen, chaotischen, nervenaufreibenden, weil sowieso die Raucher auf Flughäfen geächtet und in kleine 'Rauchreservate' abgeschoben werden) Tages bei.
Wenn ich damals gewußt hätte, was mit einer Theater AG alles möglich ist...
Die Vorstellung vorbei, die Melle gesprochen, die Bilder geschossen, Autotüren geschlossen, zum Italiener geflogen, über zurückgelegte Kilometer gelogen, so kamen wir noch kurz vor Toreschluss zu einem Nachmitternachtssnack. Es ward ja auch langsam Zeit, bei all der selbstverursachten Hektik kam die Nahrungsaufnahme etwas zu kurz.
Irgendwann zwischen 1.00 und 2.00 Uhr morgens fand ich meinen Schlaf und wollte ihn partout nicht mehr loslassen, egal wie der Wecker klingelte oder der Hotelangestellte an der Tür randalierte. Nun gut, vom letzteren ließ ich mich dann wecken, er machte ja schließlich nur seinen Job. Melody hatte angerufen und ich sollte doch zurückrufen. Gefordert, versucht durchzuführen, gescheitert an nem häßlich-beigen 'Club Telefon' welches zwar bereitwillig Geld annahm, aber statt den Betrag im Display nur ein vielsagendes 'AUS' erschienen ließ.
Super! Okay, Zähne putzen, rasieren, duschen - in der Reihenfolge. Ich bin zugegeben ein Langduscher, lang, kochendheiß und mit drei Flaschen bewaffnet. Kein WashShowerDeoundGo!, sondern ein fein abgestimmtes Pflegeprogramm, welches ich dem Calvin Klein Modell abgeluxt habe, während er sich sein Fotoshooting Belohnung in Form von Nudeln einschob.
Entferntes randalieren an meiner Tür, oder doch eher rumpeln der völlig überhitzten Wasserleitungen in meiner Dusche? Wieder rumpeln, bestimmt die Leitungen!
Fertig mit duschen. Abtrocknen.
'HARLEQUIN?!'
Irritiertes anstarren der Duschtür. Schimmi hat sich den Zugang zu meinem Zimmer gehackt, ich hatte wohl die Firewall vergessen... Nun gut, die üblichen 5 Minuten, aus denen diesmal 7 wurden, mit abtrocknen und komplett anziehen, runter zum Parkplatz gehen ist schon ein anderes Kaliber als 'nur' umziehen. ;-)
In München (das war unser Ziel an diesem Tag) angekommen machten wir uns durch das weihnachtliche Getümmel in den Untergrund der Münchner Gastronomie auf. Versteckt unter der Erde hatte sich dort ein 'independent bavarian' Cafe/Restaurant breitgemacht, welches im allgemeinen als 'Ratskeller' bekannt ist.
Es war und ist riesig, trotzdem ist es eine Herausforderung dort einen Tisch für 6 Personen zu finden. Ich, noch geschwächt von dem ganzen Schlaf, musste mir erst etwas Koffein (1xdoppelter Espresso, 1xPortion Kaffee - Kännchen für uns Norddeutsche und ein Cappucino) einverleiben, um meine Aufmerksamkeit von 40% auf 95% und meinen Puls von 57 auf 90 Schläge zu steigern.
Wohl dem, der so einen Kreislauf hat wie ich :-).
Nach diversen Nascheinlagen und einem sehr amüsanten Vormittag/Mittag/eigentlich eher Nachmittag brachen wir gemeinsam auf, verabschiedeten uns von Anne und gingen über zum 2. Musical Abend in Bad Aibling, der zwar nicht ganz so grandios war wie die Premiere - was irgendwo verständlich ist, aber dennoch sehr schön.
Melle eine Wellenbrecher Tasse überreicht, verabschiedet, keinen Italiener überfallen, trudelten wir so langsam in unseren Hotels ein, wo ich mich an 'Planet der Affen' auf ZDF und Perl Skripten auf Notebook erfreute ;-).
Der Brunch am nächsten Tag, dem Tag der Abreise, beschränkte ich auf Kaffee (wie sollte es auch anders sein), denn mein Müsli, welches ich in meinem Hotel noch eingeworfen hatte musste einfach als Grundlage reichen.
Es war mal wieder äusserst interessant, zu beobachten, wie alle anderen Gäste/Menschen um uns herum relativ schnell ihr Frühstück/sonstiges Tagewerk verrichteten, während wir sechs (Ilona, Schimmi, Anne, Melody, Olive) gemütlich und gelassen Kaffee tranken, frühstückten und noch ein wenig in den Erinnerungen des Wochenendes und anderen Dingen/Geschehnissen schwelgten.
Doch auch die schönsten Stunden sind mal vorbei und so mussten Ilona und Schimmi langsam abfahren, Anne sich Richtung U-Bahn/S-Bahn (ehrlich, keine Ahnung) durchkämpfen (pauschal ausgedrückt, für mich war die Erfahrung mit dem allgemeinen Bayern auf jeden Fall ein Kampf :-) ) und Olive und Melody noch kurz auschecken.
Verabschiedungen, beste Wünsche und Androhung von weiteren Treffen später standen wir drei (Olive und Melody und ich) dann an dem Sicherheitscheck des Franz-Josef-Strauss Flughafens. Melody musste wider Erwartens ihr Notebook und die Digicam auspacken und einschalten (kommt selbst auf internationalen Flügen nicht allzu häufig vor) worauf ihr Notebook diese ungewohnte Aktion (nicht die Aktion des Einschaltens war ungewohnt, eher der Ort) mit nem mürrischen Scandisk quitierte.
Wie wir drei allerdings aufgeklärt wurden (von den wahnwitzig freundlichen Sicherheitsbeamten), wäre dies nicht so schlimm und passiere immer dann wenn..... *waaaah* Gut, das wir unterichtet wurden. Sonst hätten wir wahrscheinlich bei nächster Gelegenheit noch eine Rechnung für verlorene Daten gestellt. *seufz*
Der Rest verlief zum Glück reibungslos. Der Flug war pünktlich, das Abschied nehmen lieb und nicht theatralisch, die Zugfahrt zurück nur von einer 'allgemeinen Personen Kontrolle, beschränkt auf illegal aussehende Schwarzafrikaner' überschattet (sehr gewissenhaft, unsere Herren Beamten in Grün, zu dritt, in eindeutig einschüchterner Weise und trotzdem so freundlich, dass man sie ohne Zweifel für die Polizisten des Monats küren würde, wenn es so etwas gäbe).
Anschließend noch mit Nico über das Wochenende philosophiert und gegen 3.00 Uhr ins Bett gefallen.
Ich hoffe euch hat diese 'Kurzfassung' gefallen, aber bei Bedarf kann ich ja noch ein wenig ins Detail gehen ;-).
Bis Freitag,
euer harlequin
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