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Samstag, 16. Juni 2001

Werbung, die Abrechnung Part II

moin!

Erstmal etwas vorweg: Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, nur dann zu wetten, wenn ich weiss, das ich gewinne!
Tja, ich denke wenigstens ein Bier auf der Kieler Woche werde ich nicht bezahlen!

Und nun zu etwas völlig anderem, einem meiner Lieblingsthemen: Werbung im deutschen Fernsehen...
Als ich den letzten Text zu diesen Thema schrieb (irgendwann 1998) war das deutsche Fernsehen eine wahre Wüste, in der es nur sehr vereinzelt Oasen der Kreativität gab. Nach nunmehr fast drei Jahren wird es Zeit einmal einen Blick auf Werbung im deutschen Fernsehen, aber auch im deutschen Radio zu werfen. Achtung! Der folgende Abschnitt ist als Satire, Ironie und augenzwickender Humor zu sehen. Er wurde als das geschrieben und ist so gedacht. Ich kann keine Verantwortung für die subjektive Wahrnehmung einzelner Personen übernehmen, die ihre Rechte, Person, Firma oder Markenzeichen dadurch defamiert sehen. Danke für das Verständnis!

Was sich dort auftut hat sich verbessert, wenn auch nur vereinzelt. Die Qualität ist im Durchschnitt zwar angestiegen, wird aber durch ganz böse Einzelgänger gedämpft.

Fangen wir an mit Prominenten die werben:
1. Uschi Glas und ihre Kosmetikserie. Vornehmlich zu sehen auf Sat1:
Das aristokratisch, mediteran anmutende Ambiente schafft eine wohlige Atmosphäre, die den Zuschauer und die potentielle Zielgruppe (offensichtlich Terracotta vernarrte Frauen, im Alter zwischen 20 Jahren und Uschi Glas) auf die kommende Produktvorstellung einstimmen soll.
Ein junge, überaus ansehnliche Bedienstete in schönster schwarz/weiss abgesetzter Dienstkleidung probiert etwas verschämt an einem Kosmetikdöschen herum (wer mag ihr das im nachhinein verdecken, aber lest weiter...). Da öffnet sich unverhofft die Zimmertür und die Dame des Hauses betritt den sonnendurchfluteten Raum. Der darauf folgende Dialog in Kurzfassung:
   dDdH: "Was machen sie denn da?" Es klingt etwas mütterliches zwischen den Worten der
überaschten Arbeitgeberin hindurch.
Bedienstete: Entschuldigt sich in einer Mischung aus italienisch und deutsch, womit das Szenario
entweder eindeutig in einem südeuropäischen Land spielt, oder die angestrebten Änderungen im
Imigrationsgesetz nun schon auf Länder der EU angewandt werden.
Sie bekundet ihre Hochachtung für die erstaunlich weiche Haut dDdHs und erbittet eine Erklärung.
dDdH: "Dazu braucht es nicht viel."
CUT!
Schnitt auf ein Sammelsurium von mindestens acht verschiedenen Produkten, die alle den Namen dDdHs tragen.
Was will uns diese Werbung sagen (um mal Michael M. aus Bayern zu zitieren...)? Das eine junge Frau anfang 20 glaubwürdig vorgeben kann, sie sei auf die Haut einer Frau jenseits der 50 neidisch? Wenn für Uschi Glas 8 Produkte nicht viel sind, was ist dann viel?? Das deutschen Prominenten etwas am Wohlergehen der ärmeren südeupäischen Entwicklungsländern und deren Bewohnern liegt und sie deswegen den Einheimischen bzw. Eingewanderten einen Job als Angestellte vermitteln, oder zumindest die eigene Pflegeserie unterjubeln???
Oder, um die politische Krone hervorzuholen, das Uschi Glas noch nicht/nicht mehr genug Geld hat und sich wie andere Schauspieler weltweit für vorgeblich hervorragende Produkte prostituieren muss????

Naja, seht euch die Werbung an...
Bevor ich fortfahre: Uschi Glas engagiert sich sehr für mehrere Projekte und damit schon eine Menge erreicht. Sie ist dabei meiner Meinung nach beispielhaft.

2. Sir Peter Ustinov für eine Bank:
Wirbt auf seine sehr eigene, spezielle Art für eine Bank. "more than a bank..." ist dabei die Botschaft. Gute Spots, kein wirres Tamtam wie sonst von der Finanzindustrie üblich. Die Spots sind sympatisch, selbst wenn man nicht zur Zielgruppe gehört.

3. Thomas Gottschalk und sein Bruder für die deutsche Post:
Ohja! Die Spots für die deutsche Post gehören zu meinen Favoriten. Thomas Gottschalk hatte ich persönlich schon als ewiges Gesicht der Haribowerbung abgeschrieben, aber in der Kombination mit seinem Bruder und einem Produkt, welches für Männer in dem Alter irgendwie sinngemäßer erscheint als der weiche Kaugenuss, trifft er voll ins schwarze. Jeder einzelne der Werbespots wirbt im Prinzip für das gleiche Produkt, doch finden sie alle in verschiedenen Stimmungen/Szenarien statt und wirken bei weitem angnehmer als das folgende Promiwerbepaar..

3a. Manfred Krug und sein Tatortkollege für die Telekom:
Zugegeben für die Telekom zu werben ist im Moment nicht einfach. Gerade die Kleinanleger werden wohl bei jeder Werbeaustrahlung den Taschenrechner zücken und danach unter Tränen zusammenbrechen. Aber zum Thema!
Welche Zielgruppe soll mit einem Großteil dieser Werbespots angesprochen werden? Wohl nicht die Menschen des mittleren bis gehobenen Alters. Denn was interessiert den größten Teil dieser Gruppe der XXL-Tarif, bei dem man mit einem ISDN Anschluss sonntags, deutschlandweit im Festnetz zum Nulltarif telefonieren/im Internet surfen kann.
Meine Eltern haben keinen ISDN Anschluss, selbst wenn sie einen hätten (in meiner Familie haben einige aus dieser Generation einen ISDN Anschluss) würden sie nie auf die Idee kommen von einem solchen Angebot Gebrauch zu machen.
Also wird das vermutlich nicht die Zielgruppe sein, die vermute ich in der jüngeren Generation. Doch fühlt die sich wirklich von dieser Werbung angesprochen? Kann man sich überhaupt von einem Unternehmen angesprochen fühlen, das hundertausende DSL Kunden seit Monaten vor den Kopf stößt? Oder das durch seine Preispolitik dutzende von kleineren Telefongesellschaften und Internetanbietern in den Konkurs befördert hat??
Mhm....
Ich denke nicht. Schon gar nicht mit diesem Werbepaar, bei denen man sich immer wieder fragt, welchen Bezug sie wohl, ausser ihrer gemeinsamen Arbeit beim Tatort, zueinander haben mögen. Verwandt? Verschwägert? Wohl eher finanzielle Abhängigkeit...

Gehen wir lieber weg von den Promis, bevor ich zu der schon traurig anmutenden Maoam Werbung kommen muss, wo sich ein sonst respektierter Boxer dermaßen zum Löffel macht, das einem mehr als die Tränen kommen....

Abteilung Süßwaren:

Die Produkte Kinder Überaschung, Kinder Professorino (jetzt Kinder Prof. oder so ähnlich), Kinder Happy Hippo Snack, Kinder Country, Kinder Schokobons, Kinder Riegel werden auf das wirklich erbärmlichste beworben, was überhaupt möglich ist: Sei es das Eiswagenverschnitt fahrende Nashorn, oder die neunmal klugen Kinder selber, die wahlweise Lehrkörper, lächerliche Busfahrer und Pseudoschaffner hinters Licht führen.
Es wundert mich kaum, das die Geburtenrate in Deutschland so niedrig ist. Diese Darstellungen von Kindern, oder dem was die Eltern für diese kaufen sollten wirkt besser als die Pille und das Kondom zusammen.
Ich hoffe nur, das es weiterhin bewundernswert tapfere und couragierte Eltern gibt, die sich durch diese katastrophalen Marketinmassnahmen und Dingen wie den Teletubbies und den TurboPowerRangers abschrecken lassen.

Abteilung Alkohol:

Bier, das einzig wahre Warsteiner! Ihr kennt den Spot, in dem sich das frisch getraute Ehepaar auf die Hochzeitsnacht freut? Ja? Über die nette Schnur stolpert, einen herrlich erfrischenden Knall auslöst und als Krönung von den Freunden auch noch ein Bett Pfosten angesägt wurde, der daraufhin wegbricht, VOM EHEBETT!?
Das einzig Wahre an diesem Spot ist, dass ich das vermutlich alles andere als komisch fände. Es ist etwa so komisch wie ein Staubsaugervertreter, ein implodierender Fernseher, einstürzender Dachstuhl, plötzlicher Asthmaanfall/anaphilaktischer Schock/Herzstillstand oder andere herzerfrischende Geschehnisse, die bei der trauten Zweisamkeit auftreten könnten...

Abteilung Benzin:

Dea: Die Bekloppten von der Tankstelle, deren Konzerne einem die Kohle aus der Tasche ziehen und dann nichst ausser Klischees in ihren Werbespots auf die Sonne bekommen.
Shell: Michael Schumacher und schauspielerische Qualität??

Abteilung Handy/Mobiltelefonieren:

VIAG Interkom: Der Typ, der völlig verträumt mit zwei Portionen Eis seiner Liebsten entgegen eilt, die auf einem Balkon auf ihn wartet? Er passt nicht auf, betritt die Strasse und ist weg? Bzw. vor dem LKW, der gerade in dem Moment vorbeirast...
Dann der Brüller des Sprechers: "Wieder zu haben?" Dabei ein Schnitt auf die Frau.
Das ist schon besser, wenn auch ziemlich makaber. Doch über Humor lässt sich ja bekanntlich streiten...

Abteilung Entertainment/Musical:

Zu dem bedauernswerterweise verschiedenen Tolpatsch gibt es noch eine Steigerung: Die aktuellen Spots von Stella, die für eine Gruppenmusicalkarte werben sollen, die auf vier Personen zugeschnitten ist...
Fünf Freunde spielen Frisbee im Park, der eine verpasst die Scheibe, tauscht diese dann gegen eine Mine aus und wirft sie weiter zum nächsten. Bumm. Kommentator Spruch: Fünf ist einer zuviel!
Es geht weiter mit einer Familie in der U-Bahn. Familie (jep, sind auch 5) rein, die Türen schliessen und genau in dem Augenblick wird die Tochter rausbefördert. Zack. Gleicher Spruch...
Eine Jacht mit vier Frauen und einem älteren Herren, der wie dumm auf einem Sprungbrett hüpft. Gashebel betätigt, Jacht fährt los. Platsch. Mann weg. Gleicher Spruch.
Es gab noch eine Radio Werbung die dann aber etwas zu böse war, deswegen wurde sie auch wieder zurückgezogen: Bundeswehr, Kommandostimme: "Durchzählen!" "Eins...Zwei...Drei...Vier...Fünf!" Ladetätigkeiten sind zu hören, dann ein Schuss. Wieder: "Durchzählen!" "Eins...Zwei...Drei...Vier!" Es folgt erneut das gleiche Abschlusskommentar.
Bitterböse, aber zum Teil doch sehr witzig und orginell.

Bevor ich jetzt zum Schluss komme meine momentane, absolute Nummero Uno: Die e-sixt Werbung, in der ein Mann unbedingt einen BMW-Z3 haben will und alle Widersacher auf den Weg vom Flugzeug zum e-sixt Schalter aus dem Weg räumt. Bis auf den Genickbruch eines Mannes durchweg ein Meisterwerk an Werbung, gerade wegen der überaschenden Wendung!!

So denn, es hat sich was getan in der Werbung, aber die negativen Spots scheinen immer noch zu überwiegen. Vielleicht auch weil gerade orginelle Spots wegen angeblicher, aber zT auch tatsächlicher, moralischer Bedenken wieder vom Markt genommen werden. Ich gebe trotzdem die Hoffnung nicht auf!
Man sieht sich!! ;-)

Bis bald,

harlequin

PS: Alle hier genannten oder angespielten Firmenbezeichnungen sind unter Umständen eingetragene Markenzeichen der jeweiligen Firmen. Ich schreibe hier meine persönliche Meinung ohne von Konkurenzfirmen oder durch eine Pistole an meiner Schläfe dazu gezwungen zu werden. Desweiteren habe ich nicht vor Lebensmittel zu vergiften, Tankstellen in Brand zustecken oder kleine Kinder zu foltern, damit sie Fleckenzwergen und dummer Schokoladenwerbung entsagen. Es gibt Produkte, die ich kaufe obwohl ich deren Werbung dämlich finde, und andere Produkte die ich nie kaufen würde, auch wenn deren Werbung genial ist.

Ich hoffe das war eindeutig!
geschrieben von harlequin ( The early years.... ) :: Kommentare(0) :: Permalink ::
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