Donnerstag, 26. Juli 2001
Na, Trauma gefällig?
moin! Sodele! Eben hat mir das Horoskop von Sat.1 bestätigt, was ich ohnehin schon geahnt habe: Heute wird ein hervorragender Tag!
Okay, ich glaube nicht wirklich an Horoskope, aber wenn sie mir meine Intuition bestätigen schon.
Ich werde heute die Wohnung auf Hochglanz polieren (im Falle unseres Herds ist das sogar wörtlich zu nehmen) und mich ganz langsam auf das Wochenende vorbereiten...
Da ich gerade einen dezenten Koffeinrausch habe, fasel ich mal etwas vor mich hin, einfach um euch an dem Gefühl einer halben Kanne Kaffee auf leeren Magen teilhaben zu lassen. Wer also weiterliest ist selber schuld und sollte mich für nichts verantwortlich machen ;-).
Alles fing gestern abend an, als urplötzlich (und völlig unerwartet) Nico aufschlug und meine Planungen für den Abend übern Haufen warf (jaja, ich hatte nicht wirklich was vor...).
Nachdem ich den Schock überwunden hatte und mein Gestammel langsam nachließ, überdachten wir diese unerwartete Situation genauestens und kamen zum Entschluß, mal wieder raus zu gehen. Eigentlich ist ja nichts ungewöhnliches an so einer alltäglichen Handlung - eigentlich.
Da ich es bei der drückenden Hitze und penetranten Sonneneinstrahlung draussen nicht sonderlich gemütlich finde und eine extrem Hautkrebsparanioa habe (erst seit dem ich mal meine Sonnenbrände aus der frühen Jugend zusammen gezählt hatte), meide ich schon fast vampirähnlich sämtliche UV-Strahlung.
Und das mir jetzt niemand mit solchen klugen Tips wie eincremen kommt!
Nun denn, gesagt, getan. Wir packten ne Decke, Tabak und ein Handy ein und bewegten uns in unbestimmte Richtung von unserem Domizil fort.
Nico meinte, dass er, als er letztes Jahr um die gleiche Zeit, mal mit seinem Fahrrad eine Tour gemacht hat, auf einen See ganz in der Nähe gestoßen zu sein. Auch nach mehrmaligen Nachfragen konnte er die Entfernung nicht genauer spezifizieren und durch seine Angaben rechnete ich mit mindestens 10 Kilometer Fußmarsch und war entsprechend gelaunt.
Ein Zwischenstop beim Türken später (ja, verdammt! ich hatte Hunger!!) und noch etwa 3 Kilometer munteren BundeswehrStandardMarschtempos (hmm, nach 23 Monaten Bund habe ich das noch nicht ganz rausbekommen) waren wir tatsächlich an einem niedlichen kleinen See, der gerade so über die Teichgröße kam.
Mit ner Dose Bier in der Hand machten wir es uns gemütlich und ließen die WG-Seele baumeln. Da wir in solchen Momenten in das primitive Stadium eines Standardmannes zurückfallen, quatschten wir über alle möglichen Themen, in männlich detailierter Art und Weise, versteht sich.
Nico auf einer Bank, ich auf der Decke starrten in den wolkenlosen Himmel. Ich beschrieb gerade sehr ausführlich eine sehr blutige Angelegenheit, worauf Nico antwortete und plötzlich mitten im Satz innehielt. Irritiert sah ich auf und erblickte in nicht ganz drei Meter Entfernung (also in absoluter Hörweite) ein etwa 4 jähriges kleines Mädchen, welches uns anstarrte.
Verdammt! Ich rechnete spontanen Geschrei, Tränenfluten und hilflos verstörtem Brabbeln (weiß ich doch nicht, wie kleine Kinder in dem Alter auf blutige Dinge reagieren, die sehr detailreich umschrieben werden...). Doch da war auch schon die Mutter zu dem Kind und es stellte sich raus, dass weder Mutter noch Tochter deutsch sprachen, eher russisch.
Puh! Noch einmal davon gekommen, ich hätte es mir wohl nie verzeihen können, durch simples männliches Geschwafel einem Kind ein waschechtes Trauma zu verpassen...
--- cut ---
Ein Sommerwochenende naht und das erste richtige Fullhouse des Jahres bahnt sich an. Ingesamt sechs Leute werden in dieser 42 qm Wohnung hausen und - so sieht es das WG-Gesetz § 3 Absatz 2 vor - eine Menge Spass haben.
Doch vorher muss ich hier noch ein paar Dinge richten....
Soviel aus meinem Chaos....
Bis bald,
harlequin
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